Demokratie
im 21. Jahrhundert

Die Demokratie als Staats- und Regierungsform – aber auch als Idee und als Gegenstand weltanschaulicher Überzeugungen – gerät seit Jahren zunehmend unter Druck. Druck von innen, weil größer werdende Teile der Bevölkerung Vertrauen in das politische Gesamtsystem und ihre Eliten verlieren und zugleich die gemeinsame gesellschaftliche Normen- und Wertebasis schrumpft. Und Druck von außen, weil die neue Weltmacht China und das unberechenbare, aggressive Russland unter Putin sowie noch andere autoritäre Regime die Demokratien des Westens politisch, wirtschaftlich und militärisch herausfordern. Vor allem Russland und China versuchen als Speerspitze der autokratischen Regime weltweit den Fortbestand der Demokratie und ihrer Institutionen infrage zu stellen und die Machtstrukturen der Weltpolitik zu ihren Gunsten zu verändern.

Die Widerstandsfähigkeit und damit die Stabilität von Demokratien wird durch diverse Prozesse der Globalisierung noch zusätzlich gefährdet. Eines der größten internationalen Probleme stellt dabei der anthropogene Klimawandel mit all seinen Nebenwirkungen dar. Im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts befindet sich die gesamte Welt in einer Phase, in der sich krisenartige Ereignisse und Entwicklungen verschiedenster Kategorien häufen. Zugleich sind plausible Lösungen immer schwerer zu erzielen, weil sich die problematischen Prozesse nicht nur überlagern und damit schwerer zu überblicken sind, sondern die einzelnen Probleme selbst auch immer komplexer werden. Hinzu kommen unterschiedliche Interessen, die sinnvolle Kompromisslösungen oftmals verhindern.
Welche Gelingensbedingungen sind erforderlich und müssen geschaffen werden, damit demokratisch regierte Länder die bestmögliche Problemlösungskompetenz besitzen und gleichzeitig ihren Bürgerinnen und Bürgern sowohl eine hohe Lebensqualität sowie höchstmöglichen Schutz garantieren können? Welche Maßnahmen sind notwendig und umsetzbar, um dem Druck von innen und außen wirksam standzuhalten und gleichzeitig nachhaltige Lösungen zur Abwendung der Klimakatastrophe und zum Schutz von Mensch, Tier und Pflanze zu ermöglichen? Und wie können demokratisch regierte Länder es schaffen, das Zusammengehörigkeitsgefühl, den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Menschen und damit letztlich das Vertrauen im eigenen (sowie ins eigene) Land und auch zwischen den Ländern zu stärken? Und zwar so, dass damit zugleich eine für die Stabilität des politischen Systems notwendige breite Legitimationsbasis zurückgewonnen und danach aufrechterhalten und ausgebaut werden kann?

Die Demokratien der Welt brauchen eine neue, sie einende Vision, die ihnen nicht nur dabei helfen könnte, die aktuellen und zukünftigen Krisen der Menschheit zu meistern, sondern zugleich sogar noch ein besseres und zufriedeneres Leben für möglichst alle Menschen auf dieser Erde zu schaffen. Dafür braucht es Innovationen – nicht nur technologischer Art, sondern auch im Denken und Handeln – die aus dem Geist der Kooperation geboren werden. Kooperation zwischen den Staaten und innerhalb der Staaten mit besseren Kommunikationswegen und Kooperationsmechanismen zwischen Bund, Ländern, Städten und Kommunen, zwischen unten und oben, zwischen der Basis und der Regierung, zwischen Akteuren der Zivilgesellschaft und den Berufspolitikerinnen und Berufspolitikern, national und international – grenzüberschreitend.

Welt-und Menschenbilder

Der Mensch ist bekanntlich zu beidem fähig, zu „Gutem“ wie zu „Bösem“. Wie schaffen wir die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, welche die „guten“ Seiten der Menschen fördern oder anreizen, also Empathie, Zusammenarbeit, Fairness, Rücksicht, Respekt und Hilfsbereitschaft und zugleich die „bösen“, also asoziales Verhalten wie Hab- und Machtgier, Skrupel- und Maßlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Aggression sanktionieren?

Im Moment ist es noch so, dass die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in den meisten Ländern der Welt tendenziell asoziales Verhalten begünstigen oder belohnen. Das liegt vor allem am kapitalistischen Wirtschaftssystem – das auch maßgeblich prägend für unsere politischen und gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse ist und damit auch für unsere Denkstrukturen – und das in seinen theoretischen Wurzeln auf überholten Prämissen beruht: Auf den Fehlannahmen grenzenlosen Wachstums, der vorwiegend egoistischen Natur des Menschen, der Allgegenwart des Wettkampfs und des Wettbewerbs, wo das Gesetz des Stärkeren gilt. Die globale Gesellschaft hat sich über Jahrhunderte von sozialdarwinistischen Vorstellungen gefangen nehmen und anleiten lassen. Wer nicht über genug Ellenbogen(mentalität) verfügt, muss Nachteile in Kauf nehmen. Um dazuzugehören, oder um selbst nicht benachteiligt zu werden, muss man eben mitmachen – auch wenn einem das nicht gefällt. So konnte ein Welt- und Menschenbild zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Durch seine weltumspannende Praxis und als Gegenstand einer flächendeckenden herrschenden Lehrmeinung konnte sich dieses einseitige Verständnis von der Natur des Menschen so tief in die Köpfe sämtlicher Generationen einbrennen, dass es schlechthin zu einer von sehr vielen Menschen nicht hinterfragten „Wahrheit“ geworden ist.
Selbst wenn inzwischen längst klar ist, dass das Hauptprinzip der Evolution die Kooperation ist – das lässt sich nahezu überall in der Natur beobachten und wird von den Naturwissenschaften aus den verschiedensten Bereichen bestätigt – hält sich das alte Welt- und Menschenbild vom Kampf aller gegen alle und des Menschen gegen die Natur hartnäckig. Das liegt daran, dass die Eliten dieser Welt, die Reichen und Mächtigen – die absolute Minderheit auf diesem Planeten – von diesem Prinzip profitieren, während die absolute Mehrheit der Menschen, wie übrigens auch die Natur, den Preis dafür zahlt, dass es einigen wenigen (zumindest materiell) sehr gut geht. Doch das ist weder gerecht noch nachhaltig und damit auch nicht zukunftsfähig. Es müssen also Lösungen her, die am Welt- und Menschenbild ansetzen, sich an Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren und dabei nach Ganzheitlichkeit streben. Wir müssen zunächst einmal besser verstehen, wie der Mensch und wie die Welt wirklich sind, bevor wir sinnvoll und zielgerichtet darüber sprechen können, wie der Mensch und wie die Welt, die wir uns schaffen, sein sollten. Wir brauchen eine Konvergenz von Normativität und Empirie.

Die Zukunft
der Demokratie

Selbst, wenn die liberale Demokratie viele Schwachstellen hat und es zahlreiche Reformbedarfe gibt: Sie ist das einzige uns bekannte politische System, das die Rechte und Freiheiten seiner Bürgerinnen nicht nur schützt, sondern auch fördert. Sie ist das politische System, das sich am ehesten dazu eignet, Fairness und Gerechtigkeit herzustellen, weil sie partizipativ und kritikfähig ist und sich von innen heraus korrigieren und anpassen lässt. Doch das setzt voraus, dass sich möglichst viele Menschen einbringen und beteiligen. Im Gegensatz zu autoritären Systemen wie Russland oder China baut ihre Herrschaftslogik auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen und letztlich auf Kooperation, Inklusion und Kompromiss auf, nicht auf Lügen, Propaganda, Herrschaftsmonopol und Exklusion. Diktaturen und autoritäre Narrativen betonen das Trennende. Demokratien täten gut daran, bewusst stärker auf das Verbindende zwischen den Menschen zu setzen.

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Demokratie. Sie brauchen sich gegenseitig, damit beide funktionieren. Die Demokratie setzt auf Schwarmintelligenz, so wie das auch die Wissenschaft tut –  unter Anwendung der Prinzipien der Falsifizierung und Verifizierung. So wie die Propaganda in autoritären und totalitären Systemen die Bildungs- und Mediensysteme kapert, um Menschen zu einer von der herrschenden Klasse gewünschten Denk- und Funktionsweise (um-) zu erziehen, sollten Demokratien ebenso auf die Bildung und Pädagogik und durchaus auch auf die Macht der Medien setzen. Allerdings nicht im Sinne der politischen oder marktökonomischen Instrumentalisierung, sondern im Sinne der Fürsorgepflicht und zu Gunsten einer humanistischen Grundhaltung, die den Menschen zugewandt ist. Und um letztlich damit die Demokratie zu fördern.

Demokratie im
21. Jahrhundert

Die Demokratie als Staats- und Regierungsform – aber auch als Idee und als Gegenstand weltanschaulicher Überzeugungen – gerät seit Jahren zunehmend unter Druck. Druck von innen, weil größer werdende Teile der Bevölkerung Vertrauen in das politische Gesamtsystem und ihre Eliten verlieren und zugleich die gemeinsame gesellschaftliche Normen- und Wertebasis schrumpft. Und Druck von außen, weil die neue Weltmacht China und das unberechenbare, aggressive Russland unter Putin sowie noch andere autoritäre Regime die Demokratien des Westens politisch, wirtschaftlich und militärisch herausfordern. Vor allem Russland und China versuchen als Speerspitze der autokratischen Regime weltweit den Fortbestand der Demokratie und ihrer Institutionen infrage zu stellen und die Machtstrukturen der Weltpolitik zu ihren Gunsten zu verändern.

Die Widerstandsfähigkeit und damit die Stabilität von Demokratien wird durch diverse Prozesse der Globalisierung noch zusätzlich gefährdet. Eines der größten internationalen Probleme stellt dabei der anthropogene Klimawandel mit all seinen Nebenwirkungen dar. Im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts befindet sich die gesamte Welt in einer Phase, in der sich krisenartige Ereignisse und Entwicklungen verschiedenster Kategorien häufen. Zugleich sind plausible Lösungen immer schwerer zu erzielen, weil sich die problematischen Prozesse nicht nur überlagern und damit schwerer zu überblicken sind, sondern die einzelnen Probleme selbst auch immer komplexer werden. Hinzu kommen unterschiedliche Interessen, die sinnvolle Kompromisslösungen oftmals verhindern.
Welche Gelingensbedingungen sind erforderlich und müssen geschaffen werden, damit demokratisch regierte Länder die bestmögliche Problemlösungskompetenz besitzen und gleichzeitig ihren Bürgerinnen und Bürgern sowohl eine hohe Lebensqualität sowie höchstmöglichen Schutz garantieren können? Welche Maßnahmen sind notwendig und umsetzbar, um dem Druck von innen und außen wirksam standzuhalten und gleichzeitig nachhaltige Lösungen zur Abwendung der Klimakatastrophe und zum Schutz von Mensch, Tier und Pflanze zu ermöglichen? Und wie können demokratisch regierte Länder es schaffen, das Zusammengehörigkeitsgefühl, den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Menschen und damit letztlich das Vertrauen im eigenen (sowie ins eigene) Land und auch zwischen den Ländern zu stärken? Und zwar so, dass damit zugleich eine für die Stabilität des politischen Systems notwendige breite Legitimationsbasis zurückgewonnen und danach aufrechterhalten und ausgebaut werden kann? Die Demokratien der Welt brauchen eine neue, sie einende Vision, die ihnen nicht nur dabei helfen könnte, die aktuellen und zukünftigen Krisen der Menschheit zu meistern, sondern zugleich sogar noch ein besseres und zufriedeneres Leben für möglichst alle Menschen auf dieser Erde zu schaffen. Dafür braucht es Innovationen – nicht nur technologischer Art, sondern auch im Denken und Handeln – die aus dem Geist der Kooperation geboren werden. Kooperation zwischen den Staaten und innerhalb der Staaten mit besseren Kommunikationswegen und Kooperationsmechanismen zwischen Bund, Ländern, Städten und Kommunen, zwischen unten und oben, zwischen der Basis und der Regierung, zwischen Akteuren der Zivilgesellschaft und den Berufspolitikerinnen und Berufspolitikern, national und international – grenzüberschreitend.

WELT-UND MENSCHENBILDER

Der Mensch ist bekanntlich zu beidem fähig, zu „Gutem“ wie zu „Bösem“. Wie schaffen wir die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, welche die „guten“ Seiten der Menschen fördern oder anreizen, also Empathie, Zusammenarbeit, Fairness, Rücksicht, Respekt und Hilfsbereitschaft und zugleich die „bösen“, also asoziales Verhalten wie Hab- und Machtgier, Skrupel- und Maßlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Aggression sanktionieren?

Im Moment ist es noch so, dass die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in den meisten Ländern der Welt tendenziell asoziales Verhalten begünstigen oder belohnen. Das liegt vor allem am kapitalistischen Wirtschaftssystem – das auch maßgeblich prägend für unsere politischen und gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse ist und damit auch für unsere Denkstrukturen – und das in seinen theoretischen Wurzeln auf überholten Prämissen beruht: Auf den Fehlannahmen grenzenlosen Wachstums, der vorwiegend egoistischen Natur des Menschen, der Allgegenwart des Wettkampfs und des Wettbewerbs, wo das Gesetz des Stärkeren gilt. Die globale Gesellschaft hat sich über Jahrhunderte von sozialdarwinistischen Vorstellungen gefangen nehmen und anleiten lassen. Wer nicht über genug Ellenbogen(mentalität) verfügt, muss Nachteile in Kauf nehmen. Um dazuzugehören, oder um selbst nicht benachteiligt zu werden, muss man eben mitmachen – auch wenn einem das nicht gefällt. So konnte ein Welt- und Menschenbild zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Durch seine weltumspannende Praxis und als Gegenstand einer flächendeckenden herrschenden Lehrmeinung konnte sich dieses einseitige Verständnis von der Natur des Menschen so tief in die Köpfe sämtlicher Generationen einbrennen, dass es schlechthin zu einer von sehr vielen Menschen nicht hinterfragten „Wahrheit“ geworden ist.
Selbst wenn inzwischen längst klar ist, dass das Hauptprinzip der Evolution die Kooperation ist – das lässt sich nahezu überall in der Natur beobachten und wird von den Naturwissenschaften aus den verschiedensten Bereichen bestätigt – hält sich das alte Welt- und Menschenbild vom Kampf aller gegen alle und des Menschen gegen die Natur hartnäckig. Das liegt daran, dass die Eliten dieser Welt, die Reichen und Mächtigen – die absolute Minderheit auf diesem Planeten – von diesem Prinzip profitieren, während die absolute Mehrheit der Menschen, wie übrigens auch die Natur, den Preis dafür zahlt, dass es einigen wenigen (zumindest materiell) sehr gut geht. Doch das ist weder gerecht noch nachhaltig und damit auch nicht zukunftsfähig. Es müssen also Lösungen her, die am Welt- und Menschenbild ansetzen, sich an Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren und dabei nach Ganzheitlichkeit streben. Wir müssen zunächst einmal besser verstehen, wie der Mensch und wie die Welt wirklich sind, bevor wir sinnvoll und zielgerichtet darüber sprechen können, wie der Mensch und wie die Welt, die wir uns schaffen, sein sollten. Wir brauchen eine Konvergenz von Normativität und Empirie.

Die Zukunft der Demokratie

Selbst, wenn die liberale Demokratie viele Schwachstellen hat und es zahlreiche Reformbedarfe gibt: Sie ist das einzige uns bekannte politische System, das die Rechte und Freiheiten seiner Bürgerinnen nicht nur schützt, sondern auch fördert. Sie ist das politische System, das sich am ehesten dazu eignet, Fairness und Gerechtigkeit herzustellen, weil sie partizipativ und kritikfähig ist und sich von innen heraus korrigieren und anpassen lässt. Doch das setzt voraus, dass sich möglichst viele Menschen einbringen und beteiligen. Im Gegensatz zu autoritären Systemen wie Russland oder China baut ihre Herrschaftslogik auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen und letztlich auf Kooperation, Inklusion und Kompromiss auf, nicht auf Lügen, Propaganda, Herrschaftsmonopol und Exklusion. Diktaturen und autoritäre Narrativen betonen das Trennende. Demokratien täten gut daran, bewusst stärker auf das Verbindende zwischen den Menschen zu setzen.

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Demokratie. Sie brauchen sich gegenseitig, damit beide funktionieren. Die Demokratie setzt auf Schwarmintelligenz, so wie das auch die Wissenschaft tut –  unter Anwendung der Prinzipien der Falsifizierung und Verifizierung. So wie die Propaganda in autoritären und totalitären Systemen die Bildungs- und Mediensysteme kapert, um Menschen zu einer von der herrschenden Klasse gewünschten Denk- und Funktionsweise (um-) zu erziehen, sollten Demokratien ebenso auf die Bildung und Pädagogik und durchaus auch auf die Macht der Medien setzen. Allerdings nicht im Sinne der politischen oder marktökonomischen Instrumentalisierung, sondern im Sinne der Fürsorgepflicht und zu Gunsten einer humanistischen Grundhaltung, die den Menschen zugewandt ist. Und um letztlich damit die Demokratie zu fördern.